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Fahrdynamik-Visualisierung

DissertationTU Dortmund2019

Integrierte Fahrdynamikregelung

Regelung der Fahrdynamik eines Straßenfahrzeugs

Eine einzige Regelung berechnet aus der gewünschten Fahrzeugbeschleunigung in einem Schritt alle Stellgrößen. Das macht die Abstimmung einzelner Fahrdynamikregler überflüssig.

Johannes Köppern, 2008–2019

Kurzfassung

Die vorliegende integrierte Fahrdynamikregelung (iFR) entstand im Rahmen meiner Arbeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Sie bildet die Schnittstelle zwischen zwei Ebenen:

  • der Bewegungsanforderung (Längs-, Quer- und Gierbeschleunigung) und
  • den Stellgrößen im Fahrzeug (Antriebs-/Bremsmomente und Lenkwinkelraten).

Die iFR erschließt das gesamte fahrdynamische Potential: In einem ganzheitlichen Ansatz ermittelt sie aus der geforderten Beschleunigung in einem Schritt alle Stellgrößen. Sie nutzt dafür ein präzises Fahrdynamikmodell, das sich im Betrieb rekonfigurieren lässt und zusätzliche Eingriffsmöglichkeiten wie Hinterachslenkung oder Torque Vectoring einbindet.

Damit entfällt der Koordinierungsaufwand, der heute zwischen einzelnen Fahrdynamikregelsystemen nötig ist — ebenso wie deren gegenseitige negative Beeinflussung.

Über diese Regelung schrieb ich meine Dissertation, die ich 2019 an der TU Dortmund bei Prof. Torsten Bertram verteidigte.

Zusammenfassung der Dissertation

Die integrierte Fahrdynamikregelung vorliegender Arbeit bestimmt aus einer Bewegungsvorgabe auf Beschleunigungsebene, Messgrößen vom Fahrzeug und momentanen Umweltparametern Stellgrößen, die das Fahrzeug die Bewegungsanforderung möglichst exakt umsetzen lassen. Die Stellgrößen werden unter gleichzeitiger Berücksichtigung jeder Komponente der Bewegungsvorgabe und der Gesamtheit der verfügbaren Stellmöglichkeiten ermittelt. Verbleiben nach Umsetzen der Vorgabe Freiheitsgrade in den Stellgrößen, so werden diese genutzt, um die Fahrsicherheit zu steigern, indem jeder Reifen möglichst weit von seiner Kraftschlussgrenze entfernt betrieben wird. Bei der Entwicklung wurde die Anwendbarkeit des Regelungssystems an Straßenfahrzeugen nach dem Stand der Technik hinsichtlich verfügbarer Messgrößen und Rechenleistung der verfügbaren Steuergeräte berücksichtigt.

Wortlaut von Seite II der Dissertation

Das Projekt im Bild

Visualisierung der Fahrsimulation mit dem Fahrzeugmodell
Versuchsfahrzeug ROboMObil (ROMO) des DLR
Robotischer Bewegungssimulator des DLR: Besucher verfolgen die Fahrsimulation
Simulationsmodell in Modelica/Dymola: Experiment nach ISO 7975

Das Regelkonzept

Überaktuiert heißt: Das Fahrzeug hat mehr Stellgrößen als Beschleunigungskomponenten (Längs-, Quer- und Gierbeschleunigung). Das ROMO hat acht Stellgrößen, die in der Dissertation simulierte Konfiguration sechs. Dieselbe Bewegungsanforderung lässt sich daher auf verschiedene Weisen umsetzen, und die iFR nutzt diese Wahlfreiheit, um die Fahrstabilität zu erhöhen.

Bei überaktuierten Fahrzeugen führt die iFR zunächst reduzierte Stellgrößen ein, die über Hilfsgrößen auf die tatsächlichen Stellgrößen abgebildet werden. Die Hilfsgrößen werden so gewählt, dass ein sekundäres Ziel erreicht wird. Aus diesen Hilfsgrößen, den Fahrzeugzuständen und der angeforderten Beschleunigungsänderung berechnet ein inverses Modell schließlich die reduzierten Stellgrößen (siehe Dissertation).

Ausführlich: Kapitel 5 bis 7 der Dissertation (PDF, ab S. 43) (öffnet in neuem Fenster)

Interaktives Blockdiagramm

Klicken oder tippen Sie auf die Blöcke für detaillierte Erläuterungen aus der Dissertation.

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Filter
Σ
K(s) Regler
Σ
Inverses Modell
Fahrzeug
Schätzer
Hilfsgrößen-Wähler

Schaltbild seitlich wischen, um den gesamten Signalfluss zu sehen.

Blöcke im Überblick (Signalfluss von links nach rechts)

Zeichen im Schaltbild

Das hochgestellte v vor einem Zeichen kennzeichnet Größen im fahrzeugfesten Koordinatensystem, ein Punkt oder Kreis über dem Zeichen eine zeitliche Ableitung. Die Bezeichnungen folgen dem Symbolverzeichnis der Dissertation (Seiten I bis III).

  • Referenzbeschleunigung, die Bewegungsanforderung
  • Gefilterte Beschleunigungsvorgabe
  • Rate der gefilterten Beschleunigungsvorgabe ohne Berücksichtigung von Stellgrößenbeschränkungen (Vorsteuerung)
  • Regeldifferenz zwischen gefilterter Vorgabe und gemessener Beschleunigung
  • Ruckanforderung aus dem Regler K(s)
  • Gesamte Ruckanforderung an das inverse Modell
  • Unter den Stellgrößenbeschränkungen erreichbarer Ruck, zurückgeführt an den Filter
  • Stellgrößen (Antriebs-/Bremsmomente und Lenkwinkelraten)
  • Gemessene Fahrzeugbeschleunigung
  • Messgrößen des Fahrzeugs für den Schätzer
  • Schätzgrößen des Schätzers
  • Gesamthilfsgrößenvektor aus dem Hilfsgrößen-Wähler
  • Schwimmwinkel, Gierrate und Querbeschleunigung
  • Vom inversen Modell an den Schätzer übergebene Größen, darunter die zur Einstellung eines Lenkwinkelunterschieds kommandierten Lenkwinkelraten

Versuchsträger ROboMObil (ROMO)

Am DLR entwickelte ich den Versuchsträger ROboMObil (ROMO) mit. Das ROMO verfügt über vier unabhängige Antriebs-/Bremsmomente und vier unabhängige Lenkwinkel — insgesamt acht Stellgrößen, die auf die Fahrzeugbeschleunigung wirken. Meine integrierte Fahrdynamikregelung ist jedoch nicht auf dieses Fahrzeug beschränkt, sondern lässt sich auch auf andere Konfigurationen anwenden, etwa heutige Serienfahrzeuge.

ROboMObil

Beim Abspielen wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt.

Querbeschleunigung im Manöver ISO 7975: Soll- und Istverlauf

Simulation

Den Regler entwickelte ich in der Sprache Modelica mit Dymola und identifizierte Streckenparameter unter anderem mit Matlab. Über das Functional Mock-Up Interface exportierte ich ihn als Autosar-Komponente und validierte ihn anschließend in Simulationen mit Mehrkörperfahrzeugmodellen im geschlossenen Regelkreis.

Das Diagramm stammt aus dem Manöver ISO 7975, dem Bremsen in der Kurve: Das Fahrzeug fährt geradeaus, lenkt in eine Kreisfahrt ein und wird dann bei Kurvenfahrt abgebremst. Schwarz ist die vorgegebene Querbeschleunigung, rot gestrichelt die in der Simulation erreichte. Beide Linien decken sich nahezu vollständig.

Robotischer Bewegungssimulator

Mit dem robotischen Bewegungssimulator des DLR-Instituts für Systemdynamik und Regelungstechnik baute ich eine interaktive Fahrsimulation auf. Der Roboter bewegt den Fahrer dabei entsprechend der simulierten Fahrzeugdynamik.

Robotischer Bewegungssimulator

Beim Abspielen wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt.

Meine Veröffentlichungen

Die folgenden Publikationen sind dieser Arbeit zugeordnet.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

  1. 2019
  2. 2017
  3. 2013
    • Köppern, J. (2013). Integrierte Fahrwerkregelung – Konzept und Anwendung. In VDI-Bericht 2196 anlässlich der 6. VDI-/VDE-Fachtagung AUTOREG 2013, Baden-Baden.
  4. 2010
    • Köppern, J. (2010). Integrierte Fahrzeugregelung durch einen hybriden Ansatz aus inversem Modell und modellprädiktiver Optimierung. In GMA‑Fachausschuss 1.40, Theoretische Verfahren der Regelungstechnik, Salzburg, Österreich.

Patente

Deutsche Patentanmeldungen. Anmelder: Deutsches Zentrum für Luft‑ und Raumfahrt e.V., Erfinder: Johannes Köppern.

  1. 2012
  2. 2011
Portrait von Johannes Köppern

Über mich

  1. 2003–2008

    Maschinenbau, TU München

    Vertiefung in Regelungstechnik.

  2. 2008–2013

    Wissenschaftlicher Mitarbeiter, DLR

    Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Mitentwicklung des Versuchsträgers ROboMObil, Entwurf der hier vorgestellten integrierten Fahrdynamikregelung und Leitung des DLR-Anteils am europäischen Forschungsprojekt Modelisar.

  3. 2014–2019

    Gründer und Geschäftsführer, Ocuplus

    Software, die sehbehinderten und blinden Schülern in Prüfungen den barrierefreien Wörterbuchzugang ermöglichte.

  4. 2019

    Promotion, TU Dortmund

    Verteidigung der Dissertation.

  5. 2020–2023

    Data Scientist und R&D Engineer, Dispendix GmbH

    Medizintechnik. Davor eine Station als Senior Project Manager in der Automobilindustrie.

  6. Seit 2023

    Schwerpunkt KI und Large Language Models

    AI & Data Science Expert bei Education Partners, Lehrbeauftragter an der HS Macromedia und Gründer von NarratiQ.

Insgesamt halte ich 24 Patente in den Bereichen Fahrdynamikregelung, Barrierefreiheit und Medizintechnik.

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Die vollständige Dissertation steht als PDF zum Herunterladen bereit.

DOI: 10.17877/DE290R-20431

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PDF · 182 Seiten · 3,9 MB

Aufbau der Dissertation

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Zitieren

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Köppern, J. (2019). Integrierte Fahrdynamikregelung mittels eines hybriden Ansatzes aus Modellinversion, heuristischer beziehungsweise modellprädiktiver relativer Stellgrößenverteilung und der Integration bekannter Regelungssysteme [Dissertation, Technische Universität Dortmund]. https://doi.org/10.17877/DE290R-20431

Die Promotion im Bild

Vortrag mit Folien zum ROboMObil
Zuhörer im Vortragsraum
Spielzeugauto mit Elchfigur aus Holz
Schild der TU Dortmund am Campus Nord